132_Bildungscampus Süd Heilbronn

KONZEPT & IDEE

Das städtebauliche Konzept verfolgt das Ziel, den bestehenden Hochschulcampus-Ring zu vervollständigen und eine neue zentrale Mitte zu schaffen, die Stadt, Campus und Landschaft miteinander verbindet. Nördlich liegen die bestehenden Campusbereiche Ost und Mitte/Nord sowie der im Aufbau befindliche Campus West. Mit der südlichen Erweiterung entsteht ein identitätsstiftender Abschluss des Campusrings, der räumlich und funktional alle Teilbereiche verknüpft.

 

Das Gebiet gliedert sich in zwei Teilbereiche: den südöstlichen Bereich der ehemaligen Eissport- und Schwimmhalle (Teilbereich B) und den nordwestlichen Parkraum (Teilbereich A). Beide Flächen sind aktuell durch die Mannheimer Straße und Bahntrassen getrennt und wirken isoliert. Ziel der Planung ist es, diese Barrieren zu überwinden und ein zusammenhängendes, lebendiges Campusquartier zu schaffen. Der Campus Loop selbst verbindet alle bestehenden und neuen Campusbereiche zu einer identitätsstiftenden städteräumlichen Kette. Neue Brücken verknüpfen den Campus Süd mit Ost und West, während landschaftlich geprägte Stege das Neckarufer aktivieren.

 

Im Teilbereich B entsteht der neue Campus Süd als kompakter, durchgrünter Hochschulstandort. Vier Hochschulgebäude orientieren sich an einem vorgegebenen Raster und sind paarweise organisiert, sodass die Hochschule künftig in zwei funktional eigenständige Einheiten geteilt werden kann. Am nordwestlichen Rand markiert ein 48 Meter hohes Institutsgebäude die Landmarke des Campus. Versetzte Geschosse schaffen Stadtterrassen mit Aufenthaltsqualität und Ausblicken. Das bestehende Parkhaus bleibt in den unteren beiden Geschossen erhalten und bietet rund 156 Stellplätze. An das EG angrenzend entsteht eine Anlieferungsfläche mit direkter Anbindung an die Hochschulgebäude. Ab dem zweiten Obergeschoss wird das Gebäude zum Boardinghouse umgenutzt. Das Dachgeschoss wird zu einer öffentlich zugänglichen Stadtterrasse mit Grünflächen und Bewegungsangeboten umgestaltet, wodurch Bildung, Sport und urbanes Leben verbunden werden. Der neue Campusplatz bildet das Herz des Campus Süd. Er ist als flach geneigte Retentionsfläche gestaltet, die Regenwasser speichert und über Verdunstung das Mikroklima verbessert. Großzügige Grünflächen, Solardach zur Verschattung und Energiegewinnung, ein prägender Baumbestand sowie ein Tiny-Erlenhain stärken Aufenthaltsqualität, Klimaresilienz und Biodiversität. Ein fein abgestimmtes Wegenetz verbindet die Platzränder mit den angrenzenden Nutzungen, während eine Brücke zum Campus Ost den Campusloop fortsetzt.

 

Der Campuspark (Teilbereich A) dient als grünes Herz und Sport- und Erholungszentrum. Die Sport- und Schwimmhallen fügen sich pavillonartig in die Landschaft ein, sind unterirdisch verbunden und bieten Fitness-, Bewegungs- und Physiotherapieräume. Das Dach des Sportzentrums wird als überdachte Freiluft-Sportfläche genutzt. Die Freiflächen orientieren sich an langlebigen, natürlichen Materialien und einem geringen Versiegelungsgrad. Bestehende Baumstrukturen werden erhalten und sensibel gestärkt, sodass der landschaftliche Charakter bewahrt, weiterentwickelt und als identitätsstiftendes Rückgrat des Campusquartiers genutzt wird. Das Ergebnis ist ein zusammenhängendes, funktional und räumlich vernetztes Hochschulquartier mit grüner Mitte, nachhaltiger Freiraumgestaltung und klarer städtebaulicher Identität.

 

NACHHALTIGKEIT

 

Das Mikroklima auf dem Campusplatz wird durch Bäume, Wasserflächen und helle Oberflächen verbessert, während überkragende Dachstrukturen Schatten spenden und Wind abschirmen. Zur Minimierung von Treibhausgasemissionen werden die Gebäude in Holzhybridbauweise errichtet und enthalten wiederverwendete Bauteile oder Recyclingmaterial. Photovoltaikanlagen auf begrünten Dächern nutzen die Fläche doppelt zur Stromerzeugung und zur Unterstützung des Mikroklimas, wobei die Dachstruktur eine nahezu vollständige Belegung ermöglicht.

 

Die Gebäude sind energieeffizient und klimaangepasst konzipiert. Eine Wärmeschutzverglasung mit hohem Licht- und solarem Durchlass reduziert den Kunstlichtbedarf und nutzt solare Wärme im Winter. Ein außenliegender Sonnenschutz, sowie die strukturelle Verschattung der Geschossplatten schützen im Sommer vor Überhitzung. Fenster, Falzlüfter und Badlüftungen sorgen für natürliche Lüftung und eine kontinuierliche Frischluftversorgung. Dezentrale, reversible Wärmepumpen über ein Kaltwassernetz ermöglichen eine effiziente Wärme- und Kälteversorgung ohne zusätzliche Kühlsysteme. Passive Maßnahmen wie thermische Masse, Tageslichtnutzung und hochwertige Isolierung stabilisieren die Innentemperaturen und senken den Energieverbrauch.

PROJEKTDATEN

Status: Wettbewerbsbeitrag

Auftraggeber: Stadt Heilbronn

Jahr: 2025

Größe: 11,6 ha, 62000 m² BGF

MITARBEIT UND KOLLABORATION

Ceyda Cerkes, Marc Dufour-Feronce, Leo Goldenbaum, Timothey Langley, David Lau, Katarzyna Maliszewska, Andreas Reeg, Viola Vollenweber

 

Landschaftsplanung: capattistaubach urbane Landschaften

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